Stadt & Geschichte

Geschichte von Truskawez II — 1827 und das goldene Zeitalter des Bades

Geschichte von Truskawez II — 1827 und das goldene Zeitalter des Bades

In Teil eins verließen wir Truskawez als Dorf der Salzsieder und Ozokerit-Gräber. Teil zwei erzählt, wie es binnen eines Jahrhunderts zu einem der mondänsten Bäder Mitteleuropas wurde.

1827: Acht Kabinen an einer riechenden Quelle

Das offizielle Gründungsjahr des Kurorts ist 1827, als die Grundherren das erste Badehaus errichteten — acht Kabinen, in denen Gäste in erwärmtem Mineralwasser badeten. Die Klientel war der Landadel aus Lemberg und Drohobytsch; die „Saison" dauerte wenige Sommerwochen.

Die Wissenschaft holte die Praxis rasch ein. Nach Teodor Torosewiczs Naftusia-Analyse von 1836 konnten Ärzte auf dem Papier belegen, was Patienten im Körper spürten — und aus dem Rinnsal von Gästen wurde ein stetiger Strom. Neue Quellen wurden gefasst und nach Familienmitgliedern der Besitzer und Gekrönten benannt — Maria, Sofia, Bronislawa, Jusja, Eduard, Ferdinand — Namen, welche die Trinkhallen bis heute tragen.

Der österreichisch-ungarische Ausbau

Unter Österreich-Ungarn boomten die galizischen Bäder, denn das Bürgertum der Monarchie entdeckte die Kur. Truskawez erhielt richtige Badegebäude, Pensionen, einen Kurpark und — entscheidend — Verkehrsanbindung: Die Eisenbahn erreichte 1872 das nahe Drohobytsch, und 1912 brachte eine Zweigstrecke die Züge direkt nach Truskawez. Die Gästezahlen überstiegen mehrere Tausend pro Saison. Die Holzvilla wurde zum Markenzeichen der Stadt: steile Dächer, geschnitzte Veranden, romantische Namen — Gopliana, Sariusz, Zum Weißen Adler.

Der Zwischenkriegsboom: Truskawiec

Das wahre goldene Zeitalter kam im Polen der Zwischenkriegszeit, als die Stadt — damals Truskawiec — zum ersten Kurort des Landes aufstieg. Der energische Direktor Rajmund Jarosz modernisierte alles: elektrische Beleuchtung, eine neue große Trinkhalle, Sportplätze, Tennisplätze, Konzerte und Tanzabende im Kurpark. 1933 empfing das Bad rund 17.000 Gäste, mehr als jedes andere polnische Heilbad; Ende der 1930er lagen die Schätzungen noch höher. Warschauer Minister, Künstler und Industrielle verbrachten hier den Sommer.

Zwei Details jener Epoche prägen die Stadt bis heute. Erstens die Villenarchitektur — Dutzende der hölzernen Pensionen sind erhalten, und ein Spaziergang durch die älteren Straßen ist ein Spaziergang durch die 1920er. Zweitens das Ritual der Promenade: das Glas langsam trinken, die Parkalleen entlanggehen, dem Orchester lauschen, vor dem Abendessen wiederholen. Die Gebäude wechselten seither oft den Besitzer; das Ritual änderte sich nie.

Wolken

Das goldene Zeitalter endete abrupt im September 1939. Krieg, Besatzung und Grenzverschiebungen fegten die Eigentümer des Kurorts und einen Großteil seiner Klientel hinweg. Was die Sowjetzeit aus Truskawez machte — eine Massen-Gesundheitsmaschine ganz anderen Maßstabs — erzählt Teil drei.